• Patrick

Fahren ohne STRAVA - ein Selbstversuch

Aktualisiert: 6. Feb 2019





Zwei Jahre ist es jetzt her, als ich beschlossen habe, auf meinen Velocomputer zu verzichten und mich nur noch auf mein Gefühl beim Velofahren zu konzentrieren.

Die Jahre zuvor war der Computer mein ständiger Begleiter, mein Einhaltsgebieter, mein Motivator und STRAVA meine Referenz, dass ich auch wirklich auf dem Velo war und alles gegeben habe. Plötzlich diese Kehrtwende. Wie kam dies?

Irgendwann wurde bei mir der Punkt erreicht, bei dem ich intuitiv gespürt habe, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Die suchtfördernde KOM Jagt hat mich zum Raubtier erzogen, das nur noch über das Angstzentrum im Hirn, Fluchtreflexe generierte. Wehe, jemand wagte es, mir einen Rekord auf einer meiner Lokalstrecken wegzunehmen. Ich musste diesen noch am gleichen Tag zurückgewinnen. Der Frust sass tief, wenn mir dies nicht gelingen konnte, obwohl ich es mir jeweils nicht eingestehen wollte, dass es so war.


Weg mit dem Ding! Der Anfang war leichter als befürchtet. Es fühlte sich wie eine Challenge an, wie ein weiterer Rekord, den ich in mein Palmares aufnehmen konnte. So konnte ich problemlos meine austrainierten Hirnregionen für mein neues Vorhaben nutzen. Erst nach ein paar Wochen, musste ich den Reflexen standhalten, meine Durchschnittsgeschwindigkeit pro Segment und die Wattbereiche auswerten zu wollen. Ein richtiger Entzug begann. Nur wusste ich zum damaligen Zeitpunkt nicht wozu.


Was nun? Immer wieder sang ich mein Mantra: Es muss doch noch mehr geben, als das Jagen. Da gibt es bestimmt noch mehr! Ohne wirkliche Motivation ging ich dann aber trotzdem aufs Velo. Vielleicht war mein Antrieb dazumal einfach, mich von meinen STRAVA Konkurrenten differenzieren zu können, einen individuellen Weg zu gehen, überlegen zu sein.


Erst als ich nach mehreren Monaten emotional ausgeruht und noch mit Reserven von einer Tour zurückgekehrt bin, spürte ich, dass sich da tatsächlich etwas in meinem Bewusstsein verändert hatte. Ich fühlte mich nicht ausgelaugt, sondern bereichert. Was andere schon lange können, musste ich mir langsam wieder antrainieren. Sozusagen mein Hirn umbauen, und dies braucht halt seine Zeit.


Mir liegt es fern, andere davon zu überzeugen, auf den Computer zu verzichten. Nur, wenn jemand ähnliche Gefühle hat wie ich sie hatte, dann sollte er vielleicht auch mal das Abenteuer wagen, auf diesen Sklaventreiber zu verzichten.


So nebenbei - ein eh schon schönes Stahlrahmenvelo sieht ohne Computer einfach noch schöner aus!



97 Ansichten1 Kommentar

Gravelbike, Gravel bike, Zürich Handwerk, made in Switzerland, nach Mass, Patrick Dreier, Rennvelo, Rahmenbau, Rahmenbaukunst, handgemacht auf Kundenwunsch,

Rennrad, Rennvelo, Massrahmen,

Rennvelo, Komponenten auf Mass,

Individuelles Rennvelo, Rennrad,

Stahlrahmen, Rennrad und Gravelbike,

Handwerk Zürich, Velorahmen auf Mass dreiercycles.com, dreiercycles

©2020 by